Die geheime Kunst

Chen Wangting 194Chen Taijiquan Xiaojia wurde über viele Generationen hinweg nur innerhalb der Familie als geheime Kampfkunst weitergegeben.

Diesen Satz liest man ständig im Bezug auf das Chen Taijiquan. Was bedeutet er? Was heißt Familie?

Chen Tang (5. Generation des Chen Clans) war der Urururururururgroßvater von Chen Changxing (14. Gen.) sowie der Ururgroßvater des Chen Taijiquan Begründers Chen Wangting (9. Gen.) Chen Changxing ist also kein direkter Nachkomme Chen Wangtings, seine verwandtschaftliche Beziehung zu Chen Wangting besteht in einem gemeinsamen Vorfahren aus der 5. Generation des Chen Clans, der Chen Tang hieß. Wobei die heutigen Vertreter der Familienlinie Chen Changxings (Dajia) im Westen um ein vielfaches verbreiteter und bekannter sind als diejenigen die von Chen Wangting und seinen Brüdern (Xiaojia) abstammen.

Überlegt man selbst wen man in seiner eigenen Verwandtschaft in vergleichbar weit entfernter Konstellation überhaupt kennt, dann kommt man wahrscheinlich ganz schnell auf die Zahl Null, denn mit jeder hinzukommenden Generation verliert sich der Kontakt innerhalb der Verwandtschaft als natürlicher Vorgang immer mehr.

Was heißt demnach "Familie" bei der Übertragung im Chen Taijiquan?

Wenn man eine Kunst als ein Geheimnis weitergeben möchte ist es wohl als sicher anzusehen dass man sie zu 100% an seine Kinder und auch an die Kinder seiner Geschwister weitergibt, oder aber dafür zu sorgen dass diese bei den nächsten Verwandten lernen, die die Kunst zur höchsten Blüte in ihrer Generation gebracht haben.
Wäre es genauso sicher dass auch alle anderen Schüler mit weiter entfernten familiären Beziehungen dieses Wissen zu 100% übertragen bekommen? Vielleicht ja aber vielleicht auch nein.

Die Taijiquan-Methodik und Theorie in den Familienlinien Chen Wangtings und seiner beiden Brüder näher zu betrachten ist deshalb ein wichtiges Forschungsfeld im Taijiquan.

Chen Xin schrieb das berühmte und heute als heilige Schrift des Chen Taijiquan geltende "Graphische Erläuterungen zum Taijiquan des Chen Clans" weil er um sich herum bemerkte dass das wahre Wissen des Taijiquan verloren ging, er schrieb:

"Die Zeit wartet nicht auf mich, und so fürchte ich außerdem, dass sich das jetzige Taijiquan in Stile und Schulen aufgespalten hat, sehr viele Zweige entstanden sind und die wahre Tradierung verloren geht."

Die Nachkommen Chen Wangtings und seiner beiden Brüder Chen Wangqian und Chen Yujie stehen alle in der Taijiquan-Box-Tradierungslinie Chen Xins und seiner Familie wie z. B. Chen Ziming (17. Gen. Nachkomme Chen Wangtings), Chen Honglie, Chen Khezong, Chen Bingmi und Chen Kedi (18. Gen. Nachkommen Chen Wangqians) oder Chen Boxiang (18. Gen. Nachkomme Chen Yujies) , Chen Lixian, Chen Liqing und Chen Lifa (19. Gen. Nachkommen Chen Wangqians) und damit auch Chen Peilin, Chen Peishan und Chen Peiju (20. Gen. Nachkommen Chen Wangqians). Es ist somit unwahrscheinlich das Chen Xin mit seinen Befürchtungen diese Familienlinien meinte, die die heute als Xiaojia bezeichnete Taijiquan-Theorie/Methodik in der Taijiquan-Box-Tradierungslinie Chen Xins praktizieren oder praktizierten.

Auch wenn die Kampfkunst sich in natürlicher Evolution von Generation zu Generation verändert hat und wir niemals sagen können wie sie zur Zeit Chen Wangtings aussah, sind die direkten Familienlinien zu Chen Wangting (heute Xiaojia genannt) der direkteste Zugang zum Ursprung, und daher für die Erforschung des Taijiquan eine hochspannende Quelle, genauso wie die Familienlinien Chen Xins und seiner berühmten Vorfahren.

Auf wesentliches reduzierter geneologischer Stammbaum des Chen Clans (Blutlinie) jiapu:

Nebenlinien 940

 

Geneologischer Stammbaum des Chen Clans den die Schülern Gene Chens in den 1990ern von ihm erhielten:

Quelle: http://molingtaiji.com/category/articles/page/2/